Nun sind drei Wochen geronnen, in denen ich etwas zu
2046 hätte schreiben können, am besten was unheimlich Persönliches, denn in Sachen Rezeption zu der Filmfortsetzung von "In the Mood for Love" und überhaupt gibt es ja genug. (So taugt mir am meisten noch der Dreisprung bei
Schnitt .)
Ausgesprochen daneben gesprungen ist allerdings der, welcher dem Film die deutsche Überzeile "der ultimative Liebesfilm" verpasst hat. Da es ja doch der ultimative Verpasste-Chancen-Sehnsuchts-in-sich-selbst-Rumstolpern-Film ist.
Hinsichtlich verpasster GroßerLieben (Um die "Urgeschichte aller danebengegangenen Geschichten" und das Durchbrennen auch nichts helfe, wenn man sich selbst die Heuschreckenplage sei.) hier von Frau Vanderbeke nu endlich ausdrücklich der Band empfohlen, den ich seit Wochen in der Buchspalte führe: Alberta empfängt einen Liebhaber.
"Es ist im Grunde ganz erstaunlich, dachte ich, wie
schlecht die Menschen für eine so ernste Sache
ausgestattet werden, die doch jedem irgendwann
passiert oder beinahe jedem, und manchen sogar öfter.
Es gibt Lehrgänge und Kurse für und gegen jeden
Quatsch auf der Welt, ich kann Paläographie, Crêpes
Suzette und Buchhaltung lernen, Fahrstunden nehmen und mir alle mögliche Software vorwärts und rückwärts beibringen, ich kann Halogenschweissgeräte bedienen und flexen und faxen, Rosen pflanzen, nur mit der Liebe kenne ich mich nicht aus. Mit der Liebe kennt
sich in Wirklichkeit keiner aus, obwohl es jeder
behauptet und mindestens drei oder vier Theorien dazu hersagen kann. Aber wenn es ernst wird, merkt man sofort, dass die Theorien nichts taugen, weil
ausgerechnet der eigene Fall nicht darin vorkommt,
sondern immer nur schlichte Modelle, und die eigenen
Fälle sind nicht schlicht, sondern einmalig und
kompliziert; einmalig besonders auch in ihrer
Unergründlichkeit, Undurchsichtigkeit, ihrer
einmaligen Unverständlichkeit, Unübersetzbarkeit und
der besonderen Grausamkeit, mit der sich diese
einmalige Sache unausweichlich erst ernst und
bedrohlich entwickelt, um einen dann mit
galoppierender Geschwindigkeit aus der Kurve und in
die grässlichsten Gruben und Abgründe zu tragen. Es
müsste, dachte ich, Selbstverteidigungskurse dagegen
geben."
(Birgit Vanderbeke, Alberta empfängt einen Liebhaber 1990)
Virtuos prescht die Autorin in sich langhangelnden Sätzen lakonisch durch Tage, Wochen und sonstige Zeitintervalle, die oft nur atem- und mutlose Momente sind und dann wieder augenblicklich den Helligkeitsregel bis zum Anschlag hochdrehen. Blendend das Werk, in etlicher Hinsicht.